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RSSPrint

Die Wandlitzer Kirche

Text & Fotos: Dietrich Pfaff
Fotos: 28/29/31.03. und 03.04.2017
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Der Kirchenbau
Der Innerraum
Der Glockenturm
Quellenangaben

Der Kirchenbau

Die Wandlitzer Kirche entstand ähnlich wie die Basdorfer Kirche im 13. Jahrhundert als Bau der Zisterzienser aus dem Kloster Lehnin. Dieses erwarb 1242 durch Kauf die Dörfer "Villam Bredewisch et Wandelitz" von den Markgrafenbrüdern Johann I. und Otto III. (Bredewisch war die Bezeichnung einer wüst gewordenen Ansiedlung zwischen Wandlitz und dem Liepnitzsee.)

Aus dieser Zeit stammt auch der Saalbau aus unbehauenen Feldsteinen, ein so genanntes Zyklopmauerwerk. Im 16. Jh. wurde der Bau erweitert und erhielt den querrechteckigen Westturm in Schiffsbreite. Er besitzt einen verbretterten Turmaufsatz von 1570 mit Walmdach, auf welchem sich ein hexagonaler hölzerner Dachreiter befindet. In alle vier Himmelsrichtungen zeigen die Zifferblätter der Turmuhr.

Der dreiseitige verputzte Ostabschluss und der Fachwerkanbau stammen aus dem Jahre 1716. Die drei Spitzbogenfenster aus gelben Ziegeln im Westteil des Schiffes wurden 1859 eingesetzt. Innen bildet eine flache Putzdecke den oberen Abschluss.

Der Innenraum

Im Chorraum besticht zunächst der prächtige barocke Kanzelaltar von 1716. Kanzelaltäre sind geschichtsträchtige Zeugen evangelischer Kirchenausstattung. Als im ausgehenden 17. Jahrhundert die durch vorausgegangene Kriege und Seuchen reduzierten Gemeinden durch Zuwanderung und höhere Geburtenzahlen sich wieder vergrößerten, wurden viele Kirchen zu klein. Man baute deshalb mitunter mehrgeschossige Hufeisenemporen ein, um alle Gemeindemitglieder unterbringen zu können. Dabei musste die Kanzel immer mehr in Altarnähe gerückt werden, bis man etwa um 1700 die Kanzel selbst mit in den Altar integrierte. Das war die Geburtsstunde des Kanzelaltars. Der Wandlitzer ist der Typ der auf dem Altar aufsitzenden Kanzel. Er soll von Peter Krantz hergestellt (s. auch Wensickendorf) und von Christian Krueger bemalt worden sein. Er wird flankiert von reichgeschnitzten Akanthuswangen. Über dem Schalldeckel befindet sich ein gesprengter Giebel, der von gedrehten Säulen getragen wird. Auf den 5 Seiten des Kanzelkorbes befinden sich in ovalen Feldern die Worte: "VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM", zu Deutsch "Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit" (nach 1. Brief Petrus, 1,25 und Jesaja 40, 8). Eine Besonderheit ist auch das Kruzifix aus dem 15. Jh. im unteren Bereich der Kanzel. Es wird umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten in goldenen Medaillons: über dem INRI-Schriftzug der Adler des Johannes, links und rechts der Kreuzarme der Löwe des Marcus und der Stier des Lukas und am Fußende der Engel des Matthäus. In der Predella befindet sich ein stark abgedunkeltes Abendmahlsgemälde.

Ein moderner hölzerner Taufständer trägt ein Taufbecken aus Messing.
An den Chorflanken sind Bleiglasfenster eingesetzt, welche von dem Berliner Künstler Gerhard Olbrich (1927 - 2010) entworfen und in den Werkstätten von Franz Lehmann Berlin-Weißensee gefertigt worden sind. Sie befinden sich seit 1957 als Stiftung von Ferdinand und Lucie Striemer in der Kirche. Das nordwestliche Fenster zeigt die Geburt Jesu, das südöstliche die Auferstehung Jesu.

An der Süd- und Westseite wurde 1716 eine schlichte Barockempore eingebaut. Die Orgel wurde 1879 von dem aus Lübben stammenden Orgelbauer Wilhelm Remler (1824 - 1896) geschaffen und ist mit einem neugotischen Prospekt verkleidet.

Der Glockenturm

Im Turm hängen drei Glocken, zumindest für eine ist das 15. Jahrhundert ausgewiesen.

 

Quellenangabe zur Beschreibung der Wandlitzer Kirche:

1. Trost, Heinrich / Becker, Beate / Büttner, Horst / Schröder, Ilse / Stepansky, Christa: Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR - Bezirk Frankfurt/Oder, Berlin 1980

2. Beeskow, Hans-Joachim: Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises Barnim, Lübben 1999

3. Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Brandenburg, München und Berlin 2000

4. Mai, Hartmut: Der evangelische Kanzelaltar Geschichte und Bedeutung, Halle (Saale) 1969

5. Schlimpert, Gerhard: Brandenburgisches Namenbuch Teil 5 - Die Ortsnamen des Barnim, Weimar 1984

6. Enders, Lieselott: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil VI - Barnim, Weimar 1980

Letzte Änderung am: 31.05.2017